Ich war vor kurzem in Sursee. Ich war dort wegen eines Schuhgeschäftes und ganz speziellen Schuheinlagen. Leider hatte ich den Namen des Geschäftes und auch mein Natel vergessen. Da habe ich einfach eine schon sehr betagte Frau auf der Strasse angesprochen und nach Hilfe gefragt. Wir gingen ein bisschen durch die Altstadt.

An ihrem Deutsch erkannte ich, dass sie nicht aus der Schweiz kam. Sie fing an zu reden und erzählte mir von ihrer Kindheit in Deutschland vor und nach dem Krieg. Sie kam anscheinend aus Heidelberg und wurde während des Krieges mit ihrer Mutter zu den Bauern geschickt, um dort zu arbeiten. Sie erzählte mir, was alles zerstört war und wie sie nicht wusste, wo ihr Vater war und ob er noch lebte. Schliesslich fanden wir das Schuhgeschäft und wir verabschiedeten uns.

Mich berührte sehr, wie stark die Vergangenheit diese Frau noch heute beschäftigt und umtreibt. Ich war auch beeindruckt, dass sie mir einfach so ihre Geschichte erzählt hat. Ich habe an dem Tag noch lange an die Frau gedacht, und auch jetzt begleiten mich die Schilderungen dieser Frau immer noch. Vielleicht treffe ich sie mal wieder in Sursee, rein zufällig.

Wir haben ganz viele Leute hier in der Schweiz und auch hier in der Region Luzern, die vor Krieg und Vertreibung geflohen sind. Wie geht es diesen Menschen?

Angela Roos, Wauwil