Gedanken zur Zeitqualität

Die Pandemie ist längst vorbei und doch ist irgendwie nichts mehr so wie vorher und es scheint manchmal fast, als sei sie immer noch da.

Genau vor 5 Jahren (Ende März 2020) musste ich von einem Tag auf den anderen eine Weiterbildung im Ausland abbrechen, meiner Liebe dort auf Nimmerwiedersehen sagen und umgehend das Land verlassen. Luxusprobleme, so denkt man, aber dennoch hat es einen sehr einschneidenden Effekt auf meinen weiteren Werdegang und Weg gehabt.  

Als alleinlebende Person (alleinerziehende Mutter) war ich sehr stark betroffen von diesen folgenden Jahren der Isolation und ich dachte oft, dass man mir die besten Jahre meines Lebens geraubt hat. Es folgten viele schmerzhafte Abschiede, Todesfälle, Verluste von Freundschaften und eine grosse Einsamkeit machte sich breit.

Ich war schon immer alternativ-medizinisch und auch impfkritisch unterwegs und da war es schnell klar, dass ich auch bei der herannahenden Massenhysterie und der forcierten Impfempfehlung vorsichtig kritisch blieb. Zudem recherchierte ich sehr fundiert und fachlich zum Thema und las zahlreiche medizinische Fachartikel von medizinischen Koryphäen in Europa und in den USA.

Die sehr komplexen Studien und Fachtexte lieferten mir die Grundlagen für meine Entscheidung mich nicht impfen lassen zu wollen. Meine Nachforschungen und mein eigenes medizinisches Fachwissen zeigten mir auch den Weg auf, einer möglichen Erkrankung mit anderen alternativen Methoden entgegenzutreten und ich bereitete mich im Sinne der Prophylaxe bestes und eigenverantwortlich darauf vor.  

Sehr bald war klar, das ich mein Wissen nur mit Menschen teilen durfte, die einen ähnlichen Blick auf die Dinge hatten, oder die ebenfalls ein ähnliches Bauchgefühl zu der ganzen Thematik spürten. Aufgrund der Erhitzung der Gemüter und der grossen Ängste äusserte ich mich nur zum Thema Impfen, wenn ich um eine Meinung gefragt wurde.  

Auf Facebook wurde ich einmal aufs Übelste beschimpft, als ich es mir erlaubte ganz sanft mit einer Textpassage eines Theologen darauf hinzuweisen, dass ich mir mehr eigenverantwortliches Denken wünschen würde. Mir wurde unterstellt, ich würde rechtsextremes Gedankengut teilen und man würde mich schon länger beobachten und man sei sich sicher, ich sei auch eine von jenen, die den Verschwörungstheoretikern anheim gefallen seien. Zudem wurde ich persönlich angegriffen und mit sehr verletzenden Anschuldigungen überhäuft.

Das war der Punkt, an dem ich begann zu verstummen. Bis heute stelle ich fest, dass es seit dem diesen inneren Schutzmechanismus gibt. Ich bin zwar heute emotional ziemlich gut reguliert mit dem Thema Covid und ich kann mich auch gelassen zum Thema Impfen oder Nicht-Impfen äussern. Mir fällt aber auf, dass es bis heute Menschen gibt, die immer noch hochemotional reagieren, wenn das Thema in einem Gespräch fällt. Es zeigt einfach auf, dass viele Menschen immer noch stark «getriggert» werden beim Thema und vor allem immer noch grosse Angst haben, dass sich so etwas wiederholen könnte

Ich merke auch bei mir latentes Misstrauen und Ängste, dass meine demokratischen Rechte zunehmend eingeschränkt werden und ich mehr und mehr zur Teilnahme an diversen Dingen gezwungen werden könnte, denen ich mit keinem guten Grundgefühl zustimmen kann (zum Beispiel weitere Zwänge im Gesundheitsbereich durch den Pandemievertrag, Druck zur Nutzung einer elektronischen ID, elektronischen Patientenakte, Social Credit Systeme, Einschränkungen im Reiseverhalten etc.)  

Zudem stelle ich bei mir fest, dass sich ein Teil von mir seit dieser Zeit wirklich irgendwie abgespalten hat und sich in eine einsame Ecke am Rande der Gesellschaft gesetzt hat. Es ist ein bisschen ein Gefühl wie das eines geschlagenen Hundes, der sich in die stille Ecke zurückgezogen hat und sich denkt: «Ich belle und beisse besser nicht… übersetzt…. ich sage besser nichts und bin still, denn mich versteht sowieso keiner. Ich darf meinen Mund nicht aufmachen, sonst werde ich angeschnauzt, kritisiert und verunglimpft».

Dieses Gefühl spüre ich tatsächlich bis heute und das ist schon irgendwie krass. Denn wenn ich ganz ehrlich bin, ist es eigentlich immer da… Bei allem, was ich sage und denke und ich getraue mich nicht mehr irgendeine Art von Meinung öffentlich zu äussern, geschweige denn auf den sozialen Medien etwas zu posten. Innerlich spüre ich einen enormen Druck, dass ich so viel sagen möchte, aber einfach nicht kann…verstummt bin….eine Art stummer Schrei.

Und irgendwie geht diese Verstummtheit halt auch weiter mit der ganzen politischen Debatte. Ich finde es irgendwie voll schräg, dass ich in Europa das Gefühl habe, ich darf nicht sagen, dass ich für den Frieden bin! Und dass ich finde, dass Putin mehr diplomatischen Verstand an den Tag legt als alle Europa-Politiker zusammen. Obwohl das ja gar nicht heisst, dass man alles gut finden muss, was Putin macht.  

Es bleibt einfach so das vorherrschende Gefühl, dass ich nichts sagen darf, mich nicht äussern kann und ich merke, dass wenn ich ausserhalb Europas bin, fühlt es sich einfach komplett anders an. Es ist ein anderes Klima im Ausland und die Menschen scheinen viel weniger voreingenommen und instrumentalisiert. Es findet im weiter entfernten Ausland offensichtlich nicht dieses einengende überall vorherrschende Framing statt und die Menschen fühlen sich frei zu äussern, was sie denken, ohne Angst zu haben, in die rechtsextreme Ecke gedrängt zu werden.

Langfristig halte ich das hier in Europa einfach nicht mehr aus und das ist auch einer der Gründe, warum ich gerne auswandern möchte. Ich halte das Gemetzel in Europa einfach nicht mehr aus. Dieses andauernde `richtig-falsch`, das `was darf man, was darf man nicht`, was darf man denken, sagen, fühlen…?  

Es beschäftigt mich auch sehr, dass ich mich vor allem in der Schweiz so oft so einsam fühle. Es hat etwas mit der aktuellen Gesellschaft zu tun und vielleicht auch mit meinem Rückzug in die stumme Ecke. Und sehr wahrscheinlich gibt es aber einfach generell einen grossen Vertrauensverlust, der in all den Jahren passiert ist. Bei vielen Menschen erkenne ich dieselben Symptome. Ein fast schon traumatisch wirkender Vertrauensverlust, der entstanden ist. Das Vertrauen in den Staat, in die Demokratie, in die Politik, in die Parteien…. Das Vertrauen in die Behörden, die Regierungen, die Medien und allenfalls sogar in die Nachbarn und Freunde ging für viele unwiderruflich verloren.

Ich möchte mich deshalb dafür einsetzen, sichere und achtsame Räume zu schaffen, wo man gesehen und gehört wird. Wo Menschen wieder Vertrauen schöpfen können und realisieren, dass sie nicht alleine sind auf ihrem Pfad.

I. aus Luzern