Ich wurde 1996 in Äthiopien geboren. Dort lebte ich mit meiner Familie in einem Blechhaus, zusammen mit drei weiteren Familien. Ich habe zwei Schwestern und einen Bruder. Als ich noch ein Kind war, starben sowohl meine Mutter als auch mein älterer Bruder.
Da mein Vater aus Eritrea stammte, mussten wir Äthiopien verlassen, weil die Regierung entschied, dass alle Eritreer in ihr Heimatland zurückkehren müssen. Mein Vater, meine beiden Schwestern und ich kehrten nach Eritrea zurück. Kurz nach unserer Ankunft wurde mein Vater gezwungen, zum Militärdienst zu gehen.
Da wir kein Einkommen hatten, zogen wir zu unserer Tante, die bereits in Eritrea lebte. Meine Tante hatte grosse Angst, dass ich später ebenfalls zum Militärdienst gezwungen werden würde und mein Leben dadurch in Gefahr wäre. Deshalb nahm sie Kontakt zu Bekannten auf, die mir halfen, in den Sudan zu fliehen. Ich hatte nie die Chance, wie andere Kinder mit meiner Familie aufzuwachsen und zur Schule zu gehen. Obwohl ich noch sehr jung war, arbeitete ich im Sudan, so viel ich konnte.
Doch das Leben im Sudan war schwierig. Ohne Papiere oder Identitätsnachweise wurde ich regelmässig von der Polizei festgenommen. Schliesslich entschied ich, den Sudan zu verlassen und nach Libyen zu reisen, um von dort aus nach Europa zu gelangen. Mit dem Geld, das ich im Sudan verdient hatte, erreichte ich Libyen. Auch dort war das Leben hart, aber ich arbeitete weiter, um zu überleben.
Schliesslich wagte ich die gefährliche Reise nach Europa. Doch auch hier war das Leben nicht einfach. Seit zehn Jahren lebe ich mit einem negativen Asylbescheid in der Schweiz. Ich habe viel Stress und leide unter Depressionen sowie Traumafolgen, weil ich immer wieder von der Migrationsbehörde aufgefordert werde, auszureisen. Die Ungewissheit und die ständige Angst vor Abschiebung haben tiefe seelische Spuren hinterlassen. Ich wurde oft festgenommen, was diese Belastungen zusätzlich verstärkt hat. Doch wohin sollte ich gehen? Ich habe keine Familie und weiss nicht, ob ich noch Familienangehörige habe.
Ich war ganz jung, als ich Äthiopien verliess und wir nach Eritrea gezogen sind. Damals hatten wir auch keine Identitätsnachweise. Ich habe meine Kindheit als eine Zeit voller Schwierigkeiten erlebt, sowohl im Sudan als auch in Libyen. Ich bin all diese Herausforderungen allein durchgestanden, aber ich befinde mich immer noch in Schwierigkeiten.
Momentan habe ich grosse Sorgen. Nach fast elf Jahren in der Schweiz weiss ich nicht, was morgen mit mir passieren wird. Ich habe versucht, ein Härtefallgesuch zu stellen, doch es gibt Probleme, die ich nicht lösen kann. Meine Anwältin sagte mir, dass ich einen Pass vorlegen müsse. Ich habe jedoch keine Identitätsnachweise und kann daher keinen Pass beantragen.
Meine Anwältin hat mir geraten, mich bei der äthiopischen Botschaft zu erkundigen. Ich habe dies getan, aber sie haben mir mitgeteilt, dass sie mir keinen Pass ausstellen können, da ich Eritreer bin. Obwohl ich in Äthiopien geboren wurde, spielt das für sie keine Rolle.
Ohne Pass kann ich mein Härtefallgesuch nicht einreichen.
Ich liebe die Schweiz und möchte dieses Land nicht verlassen. Daher bitte ich alle herzlich, mir zu helfen, in der Schweiz bleiben zu können. Ich lebe seit über zehn Jahren hier und bitte um Unterstützung, ein humanitäres Gesuch einzureichen.
Ich weiss nicht, wie es weitergehen soll. Die ständige Angst, in die Ungewissheit abgeschoben zu werden, belastet mich sehr. Sollte mein humanitäres Gesuch nicht erfolgreich sein, kann ich so nicht weiterleben. Ich denke darüber nach, die Schweiz zu verlassen, um in einem anderen Land eine neue Chance zu finden, obwohl ich die Schweiz von Herzen liebe.
Trotz all dieser Schwierigkeiten bin ich dankbar, dass ich bis heute in einem sicheren Land leben durfte. Ich wünsche mir nur, wie alle anderen auch, die Möglichkeit zu haben, zu arbeiten und in Freiheit zu leben – ohne Angst und Sorgen.
Ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die mir in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden haben.
