Corona war ein totales Durcheinander. Es hat Fronten gegeben zwischen Geimpften und Ungeimpften. Ich habe Corona dann auch bekommen und es hat mich richtig mitgenommen. Ich war nicht geimpft. Als Ungeimpfter wurde ich oft schräg angeschaut. Als ich dann krank wurde, habe ich auch manchmal gedacht, ich hätte mich besser impfen lassen.
Aber dieser mRNA traute ich einfach nicht. Es war schwierig vorzustellen, dass diese Methode – ursprünglich für Krebs erforscht – jetzt plötzlich auf Corona anwendbar ist. Sonst braucht es doch 10 Jahre oder länger für die Erforschung solcher Impfstoffe. Ich konnte mir nicht vorstellen, warum das so schnell gehen sollte. Deshalb habe ich mich nicht geimpft.
Diese Sache war für mich einfach nicht vertrauenswürdig. Die Behörden waren auch nicht immer ehrlich. Auf der einen Seite muss ich natürlich die Behörden auch wieder verstehen – es war eine ungewöhnliche Situation, sie waren selber überfordert. Sie konnten selber nicht entscheiden, sondern mussten sich auf ihre Fachleute abstützen. Aber welche Fachleute wurden gefragt? Bundesrat Berset hat ja vor allem auf die gehört, die sowieso vom Impfen überzeugt war. Die konnten dann Bundesrat Berset überzeugen, dass es richtig war. Ich will auch nicht sagen, dass alles Impfen falsch ist. Aber dieser Methode habe ich nicht vertraut.
Von Anfang an musste ich aufpassen, wem ich sage, dass ich nicht geimpft bin. Sonst wurde man entweder schräg angeschaut, oder auch sonst gefühlt, dass Menschen einen anders sehen deswegen. So etwas habe ich bisher nicht erlebt.
So hatte ich dann Corona, und langsam wurden die Massnahmen wieder gelockert. Das war das Beste, als wir langsam wieder aus der Sache raus waren. Danach schaute ich noch ein paar Vorträge von Impfgegnern an. Zum Teil haben sie nach meiner Überzeugung zu Recht gewisse die Methoden der Impfbefürworter in Frage gestellt. In Olten an einem Vortrag hat einer mit Statistiken des Bundes nachgewiesen, dass nicht wegen der Impfung alles besser wurde – im Gegenteil, seiner Meinung nach gab es dann sogar noch mehr Tote. Im Detail weiss ich nicht mehr, wie er das begründet hat, es ist zu lange her und es war zu wissenschaftlich für mich als “Gewöhnlichen”. Aber mich hat es beeindruckt, dass er als Fazit gesagt hat, dass das, was die Behörden gesagt haben, auch nicht alles stimmte.
Bei einer nächsten Pandemie müsste darauf geachtet werden, dass nicht wieder solche Gräben entstehen. Alle sollten ihre Meinung sagen können. Es gab ja kein Äusserungsverbot, das war in der Schweiz noch besser als im Ausland. Aber wenn einseitig kommuniziert wird, dann sollen Behörden es richtig belegen können. Die Impfgegner müssen ernst genommen werden. Natürlich ist das immer eine Gratwanderung. Die Impfgegner haben die Situation auch politisch missbraucht, das war auch wieder nicht gut. Wichtig ist, dass es nicht wieder einen solchen Klassenunterschied gibt mit zwei Fronten von Impfgegnern und Impfbefürwortern. In der Schweiz, wo wir meinen, wir seien etwas demokratisch, sollte man das auch demokratisch abhandeln können.
Die Verbote haben den Impfgegnern das Leben schwer gemacht. Also gut – ich habe schon verstanden, dass Ungeimpfte nicht an Veranstaltungen gehen konnten. Das leuchtete mir ein. Aber einige Vorschriften waren abnormal. Warum Ungeimpfte nicht ins Restaurant durften, andere aber schon, hätte man wissenschaftlich belegen müssen. Das war aber nicht so. Die Kenntnisse waren natürlich auch noch nicht vorhanden damals. Heute weiss man natürlich einiges mehr.
Die Impfbefürworter hatten andere Impfungen gemacht und gewisse Impfungen waren erfolgreich – das war ja nicht komplett falsch. Aber mit diesem Wissenschaftsglauben haben unsere Behörden die Massnahmen festgelegt, das war nicht gut. Gleichzeitig war es natürlich schwierig. Ich hätte damals nicht Bundesrat Berset sein wollen. Er hatte bestimmt einen schwierigen Job. Für einen Revoluzzer wie mich fehlte aber einfach das Demokratieverständnis.
Kontakte mit Leuten, die mich schräg angeschaut haben, habe ich nicht abgebrochen. Ich habe mich aber natürlich dann nicht zu fest auf die Äste herausgelassen. Wir haben uns nicht die Köpfe eingeschlagen, aber einfach möglichst wenig darüber diskutiert und das Thema vermieden. Aber das ist ja aus demokratischer Sicht eigentlich falsch! Fast könnte man sagen, dass das ein Demokratietest war. Den haben wir nicht gut bestanden – trotz bescheidener Versuche, diese Themen anzugehen.
