Das «Hello Welcome» ist mein zweites Zuhause. Als ich herkam, habe ich sofort einen negativen Flüchtlingsentscheid erhalten. In dem Moment war ich in einer schwierigen Situation. Ich wusste nicht, wie ich mich integrieren und Deutsch lernen kann. Deutsch ist eine schwierige Sprache, als ich ankam, konnte ich sie nicht.

Da habe ich eine starke Frau aus dem Iran kennengelernt. Sie war am Anfang mein Vorbild, ich habe gedacht, dann kann ich es auch – ich muss dran bleiben und kämpfen. Jemand hat mir gesagt, dass es die Organisation «Hello Welcome» gibt. 

So bin ich vorbeigegangen, und konnte da freiwillig Deutsch lernen. Ich habe gemerkt, dass die, welche da arbeiten können mich unterstützen können – und ich sie auch. Das gab mir das Gefühl, dass «Hello Welcome» mein zweites Zuhause sein kann.  

Da habe ich neben vielen anderen eine ältere Schweizerin kennen gelernt. Sie war ganz anders. In der Situation, wenn man keinen Asylstatus hat, machen Behörden Druck, dass man sich meldet und selbst zurückgeht.  Aber die Leute hier können nicht zurück. Die, welche können, gehen – sie bleiben hier nicht mit diesen schwierigen Situationen und ohne Respekt. Das Leben in so einer Situation ist nichts für normale Menschen, würde ich sagen. 

Die Behörden haben mir gesagt, ich müsse umziehen in ein Dorf – das war für mich mega schwierig. Ich habe mich gefragt, wie kann ich hin- und herfahren? Wie kann ich wieder ins «Hello Welcome» oder in den Sentitreff? Kann ich wieder teilnehmen und mitmachen? 

Die ältere Schweizerin hat mich dann gefragt, ob ich bei ihr wohnen möchte, weil sie ein Zimmer frei hat. Ich habe ja gesagt. Am Anfang war für uns beide schwierig, weil sie nie mit jemand Fremden oder einer Ausländerin gewohnt hat.   

Diese Coronazeit hat uns beiden viel geholfen. Wir haben zusammen gekocht, zusammen eingekauft. Wir haben uns gefragt: Was kommen wir machen, damit diese Zeit nicht so schwierig wird? Ich kann mich erinnern, dass wir drei Monate lang immer zu Hause waren. Dann haben wir zusammen iranische Desserts gekocht und an die Nachbarn verteilt. Es war eine ganz schöne Zeit. 

Ich glaube Coronazeit hat Nachteile und Vorteile. Diese Eindrücke, der Abstand zu anderen Menschen, alle hatten Angst. Dabei haben wir auch gemerkt, dass das Leben schwierig oder gut sein kann. Wie können wir diese Zeit zusammen geniessen? 

Ich weiss, man kann alles schaffen, was man will. Ich war im Frauenhaus mit Sans Papiers, die die Schweiz verlassen müssen. Viele Frauen hatten Depressionen, weil sie nur zu Hause waren – es gab nur kochen, essen und schlafen. Ich war die Einzige, die von morgens bis abends immer unterwegs war. Ich habe immer etwas gemacht, aber nichts verdient. Sie haben mich gefragt, ob ich verrückt sei. Ich habe gesagt: ich mache viel, aber damit kann ich mich integrieren! 

Schweizer:innen sind in meiner Erfahrung ein bisschen verschlossen – und sie haben vielleicht auch keine Ahnung, was Flüchtlinge sind. Sie denken, Flüchtlinge kommen hierher, sie bekommen Geld, bekommen alles und sie machen nichts. Aber das stimmt nicht. Wir versuchen immer alles: Wie können wir uns integrieren? Wie können wir einen guten Job finden? Oder mitmachen? Die Leute, die in dieser Situation sind, sie dürfen oft nicht arbeiten. Das war eine grosse Frage, wieso darf ich nicht? Ich war fünf Jahre lang in dieser Situation, obwohl ich viel Potential hatte, einen Job zu finden. 

Sie sagen, mit einem Coop-Gutschein von 8 oder 10 Franken pro Tag kann man leben. Coop ist teuer, man kann wenig einkaufen damit. Wieso machen sie sowas? Also ich verstehe dieses System nicht. Menschen würden mit Status sofort eine Arbeit finden, und könnten damit für sich selbst sorgen. Das wäre doch auch für den Staat besser. 

Es gibt in meinem Kopf viele Fragen – ich weiss es auch nicht. Wie kann ich etwas geben, wie kann ich diesen Leuten helfen, nachdem ich selbst in der Situation war? Wir wissen, wie schwierig es ist.

Somi