Ich habe mich am Anfang der Pandemie aus Angst vor einer Ansteckung immer mehr zurückgezogen und wurde in meiner selbst geschaffenen Einsamkeit depressiv. Aus einer Kombination mit Antidepressiva, Benzodiazepine und Selbstmedikation kam dann der Sprung von der Depression direkt in die Manie. Im Herbst erhielt ich dann die Diagnose der Bipolarität, was für mich bis dahin ein Fremdwort war. Seither arbeite ich sowohl an meiner Selbstakzeptanz als auch einer positiveren Lebenseinstellung.
Meine Familie und meine engsten Freunde haben mir Kraft und Hoffnung gegeben. Eine etwas traurig klingende Hoffnung war, dass das Leben irgendwann vorbei ist und ich dann nicht mehr leiden muss. Heute bin ich froh, dass ich noch lebe und zum positiven Wandel in der Gesellschaft beitragen kann.
Seit letztem Jahr lebe ich nach dem Prinzip der ‹human experience› und da hat jede/r von uns ein Lebensticket gelöst, welches in der Regel sowohl sehr positive als auch sehr traurige Zeiten beinhaltet. Ich versuche mich an dieser Vielseitigkeit des Lebens zu erfreuen. So lerne ich Tag für Tag auch schwere Zeiten als Teil meiner einzigartigen Lebenserfahrung zu schätzen und zu akzeptieren.
Ich denke, dass eine gesellschaftliche Krise die Vereinsamung ist. Es betrifft die meisten Altersgruppen und es wird meinem Verständnis nach nicht diskriminiert zwischen arm und reich. Durch mein Dasein auf dem Autismus-Spektrum bin ich zeitweise in der Klinik oder zuhause und bis in den Nachmittag rein nicht in der Lage mich zu bewegen. Das macht auch mich einsam, da ich einerseits in der Klinik weit weg bin von meinem Hilfsnetzwerk oder zuhause im Bett auch nicht auf meine Freunde zugreifen kann, wenn keine Bewegung möglich ist.
Ich habe sehr darunter gelitten, eine Maske tragen zu müssen. Damit konnte ich mich schlecht auf andere Körperempfindungen konzentrieren. Nach der Krise habe ich nun immer noch eine höhere Empfindlichkeit in Bezug auf potenzielle Gefahren, mit irgendwelchen Krankheiten angesteckt zu werden.
Thomas M. Vogt
